Das perfekte Loch
Eine gute Arteriotomie ist unerlässlich für eine gute End-zu-Seit-Anastomose. Sie sollte elliptisch und sauber geschnitten sein, mit glatten, steil abfallenden Kanten. Ein solches Loch hat keine unregelmässigen, ausgefransten Stellen, die die Wand schwächen und Thrombosen begünstigen. Bei solch einem Loch kann man die Ränder klar sehen, die Nadel präzis platzieren und Nähte knüpfen, die sicher halten. Aber ein Loch dieser Art ist schwer zu schneiden, wie jeder Mikrovascularchirurg weiss. Scheren schaffen das einfach nicht.
Warum Scheren es nicht schaffen
Die starke Wand eines grossen Gefässes ist zäh und schlüpfrig. Sie hat zwei Schichten, die sich besonders bei älteren Patienten mit sehr unliebsamer Leichtigkeit voneinander trennen können. Scheren schneiden nicht einfach in die Gefässwand. Sie quetschen sie, sie scheren sie ab, sie drücken sie weg, dann schneiden sie. Ihre Wirkung ist nicht voraussehbar. Manchmal ist das nur beunruhigend, manchmal aber wirklich gefährlich. Sogar einen einfachen Schnitt mit der Schere zu machen, der gerade die gewünschte Länge hat, ist schon eine schwierige Angelegenheit. Zwei Schnitte zu machen, die sich genau treffen sollen, ist noch schwieriger. Schlimmstenfalls trennt die Schere die Gefässwand in ihre zwei Lagen, schneidet nur die äussere und quetscht die innere ungeschnitten in das Lumen.